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Ein Reparaturtrupp fürs Herz

Forschern ist es erstmals gelungen, den geschädigten Herzmuskel von Infarkt-Patienten mithilfe einer Infusion ihrer eigenen Herz-Stammzellen zu regenerieren

Eigene Stammzellen flicken Schäden nach Infarkt

Herzinfarkt

Forschern ist es erstmals gelungen, den geschädigten Herzmuskel von Infarkt-Patienten mithilfe einer Infusion ihrer eigenen Herz-Stammzellen zu regenerieren: Ein Jahr nach der Behandlung war das Narbengewebe um die Hälfte zurückgegangenen und die Herzleistung hatte sich verbessert, berichtet das Team.

Beim Herzinfarkt beginnt ein Wettlauf mit der Zeit: Durch ein verstopftes Herzkranzgefäß ist die Durchblutung beeinträchtigt, und Teile des Herzmuskels werden nicht mehr genügend mit Sauerstoff versorgt. In der Folge stirbt das betroffene Gewebe ab, wenn der Gefäßverschluss nicht binnen weniger Stunden geöffnet wird. Das kann ernsthafte Konsequenzen haben, denn selbst wenn es gelingt, das Leben des Patienten noch zu retten konnten, bleibt durch die Gewebeschäden oft ein geschwächtes Herz zurück. Für dieses Problem suchen Stammzellforscher schon seit einiger Zeit Lösungen. Ihr Ziel ist es, das vernarbte Herzmuskelgewebe durch neues zu ersetzen, das sich aus den „Multitalenten“ unter den Zell-Typen bildet.

Das scheint jetzt erstmals zumindest teilweise gelungen zu sein. Die Wissenschaftler um Eduardo Marban vom Cedars-Sinai Heart Institute in Los Angeles nutzten dazu Stammzellen, die vom Herzen des Patienten selbst stammen. Es handelt sich dabei um sogenannte adulte Stammzellen. Sie existieren im Gegensatz zu den embryonalen Stammzellen noch zeitlebens in vielen Geweben des Menschen. Wie eine Art Ersatzteillager bessern sie hier abgestorbene Zellen aus. Sie sind nur noch multipotent, das heißt, sie können sich zwar noch in die unterschiedlichen Zelltypen ihres jeweiligen Organs entwickeln, aber nicht mehr in alle Arten Körperzellen, wie es die embryonalen Stammzellen können. Obwohl der therapeutische Einsatz von adulten Stammzellen eingeschränkt ist, besitzt er dennoch Vorteile: Da es sich um körpereigenes Gewebe handelt, treten keine Abstoßungsreaktionen auf, und aus ethischen Gesichtspunkten ist ihr Einsatz wesentlich weniger umstritten als die Verwendung embryonaler Stammzellen, für deren Gewinnung Embryonen abgetötet werden müssen.

Entnommen, vermehrt und wieder eingeschleust

Die klinische Studie von Eduardo Marban und seinen Kollegen umfasste 25 Patienten, von denen jeder einen Herzinfarkt mit nachfolgenden Herzmuskelschäden erlitten hatte. Acht Probanden bekamen die bisher übliche Standard-Versorgung, 17 erhielten stattdessen die Stammzell-Therapie. Durch einen Herz-Katheter entnahmen die Wissenschaftler den Patienten dazu jeweils ein Gewebestück von der Größe einer Rosine aus dem Herzen. Mit komplexen Methoden isolierten und vermehrten die Forscher daraus im Labor die Herz-Stammzellen.12 bis 25 Millionen von ihnen injizierten sie den Patienten dann zurück ins Herz, in der Hoffnung, dass sie sich dort ansiedeln und neues Herzmuskelgewebe aufbauen würden.

Nach einem Jahr zeigte der Vergleich mit dem Ausgangszustand der Vernarbung des Herzmuskels einen deutlichen Erfolg der Stammzelltherapie: Während bei der Kontrollgruppe kein Rückgang des geschädigten Gewebes zu verzeichnen war, hatte sich die Narbengröße bei den Patienten nach der Stammzell-Infusion um 12 bis zu 24 Prozent verringert. Entsprechend war bei ihnen auch die Herzleistung wieder angestiegen. Die Infusionen mit den Stammzellen hatten den Forschern zufolge auch zu keinen akuten oder langfristigen Komplikationen geführt.

Marban und seine Kollegen hoffen nun, dass diese Behandlungsstrategie möglichst schnell vielen Herz-Patienten zugutekommen kann. Es könnte sich dadurch ein fundamentaler Wandel in der Betreuung von Herzinfarkt-Patienten ergeben, glauben sie: “In der Vergangenheit war alles, was wir tun konnten, Herzschäden durch sofortiges Öffnen der verschlossenen Arterie einzudämmen. Nun könnten sich dagegen regenerative Therapieformen entwickeln, die den Schaden durch einen Herzinfarkt im Nachhinein reparieren”, resümiert Marban.